Transmission Wood
2018

Installation, Video, Performance
2025
Stadt Land Fluß
Rathausgalerie München
2019
The Big Sleep
Haus der Kunst München
2018
SometimeStudio Paris
Ausstellungsansicht, Rathausgalerie München, Fotos von Fabian Frinzel 2025

Die Kuratorinnen Sarah Dorkenwald und Karianne Fogelberg von UnDesignUnit fragen nach den vielgestaltigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur in der Stadt und ihrem Umland. Sie versammeln ausgewählte zeitgenössische Positionen aus Design, Kunst und Architektur, die verschiedene Formen von Zusammenleben in den Blick nehmen. Dabei beziehen sie die Rathausgalerie mit ihrer einstigen Nutzung als Kassenhalle für Gebühren zwischen der Stadt und ihren Bürger*innen mit ein. Dort, wo früher Einzahlungen an die Stadt getätigt wurden, laden sie zum Nachdenken über die Frage ein: „Was ist mir Natur wert?“

Im Kontext von Klimawandel und Biodiversität können neuartige Gebührenmodelle spielerisch erdacht und diskutiert werden.

Von Judith Egger sind zwei Baumantennen, eine Zeichnung und ein Dokumentationsfoto ihrer Performance und Ausstellung "Transmission Wood" von 2018 in Paris zu sehen.

Welche Verbindungen unterhalten wir wissentlich zur Natur, und welche entziehen sich unserer Kenntnis und Einordnung?

Welche Verbindungen unterhalten wir wissentlich zur Natur, und welche entziehen sich unserer Kenntnis und Einordnung? Die Künstlerin Judith Egger imaginiert in ihrer Arbeit Situationen, in denen wir dem Wilden begegnen und uns mit ihm verbinden. Dabei nimmt das Wilde verschiedene Formen an und ist auch Teil von uns selbst. 
Die Antennen und das Sonotone sind imaginäre Instrumente aus ihrer Arbeit „Transmission Wood“. Sie erzählen von ihrem nächtlichen Versuch, mitten in Paris Kontakt zu den Bäumen in den umliegenden Wäldern aufzunehmen und Botschaften zu empfangen.

Text von Karianne Fogelberg
Installationsansicht, Rathausgalerie München, 2025

2018 wurde Judith Egger von Ramuntcho Matta in dessen Projektraum SometimeStudio in Paris eingeladen.
Dafür entstand eine Performance, ein Video und eine gleichnamige Ausstellung.

Ausstellungen

2025
Stadt Land Fluß
Rathausgalerie
kuratiert von Sarah Dorkenwald und Karianne Fogelberg
Installation
München
26.09 bis 30.11.2025
2019
Haus der Kunst
kuratiert von Dr. Cornelia Osswald-Hoffmann
Video
München
26.09 bis 09.11.2019
2018
SometimeStudio
kuratiert von Ramuntcho Matta
Installation, Performance
Paris
01.01 bis 01.01.2018

Presse

2020
Wildnis, Wald und wir

Erika Wäcker-Babnik

Münchner Feuilleton
Titel
Wildnis, Wald und wir
Art
Presse
Autor:innen

Erika Wäcker-Babnik

Erschienen
08-02-2020
Verlag
Münchner Feuilleton

Judith Egger: Wildnis, Wald und wir

Die Münchnerin Judith Egger untersucht, ob und wie sich in der Zivilisation Verbindungen des Menschen zum Unkontrollierbaren und Unbestimmbaren aufnehmen lassen.

Die Übereinstimmung von Ort und Ausstellung könnte nicht passender sein: Ein Kunstprojekt, das das Spannungsfeld von »Wildnis und Zivilisation« befragt, wird an der Stelle in München gezeigt, die wie keine andere im Spannungsfeld von »Unort« und »Edelmeile« liegt. Die Unterführung Maximilianstraße–Altstadtring mit dem MaximiliansForum ist ein wahrlich wilder Ort im Großstadtdschungel – ausgerechnet unter der Straße, wo sich die Zivilisation von ihrer dekadentesten Seite zeigt. Noch immer wuchert dort halbtotes Grün auf den ehemals bepflanzten Rolltreppen. In Judith Eggers Installation »Lauschen & Lauern« setzt sich das Unbehagen der unwirtlichen Untergrundpassage in einem befremdlichen Setting fort. Durch die spiegelnden Scheiben der zweigeteilten städtischen Schauräume blickt man in eine kulissenartige Inszenierung: Blattwerk, Rinde und Holzstämme deuten in der düsteren Betonbox einen Wald an. Ein Hochstand aus Brettern suggeriert das Lauern auf eine Reihe skurriler Geschehnisse, die auf improvisierten Videodisplays zu sehen sind: Da stolpert ein strohartiges Wesen durch den winterlichen Wald und tappst schließlich durch die Straßen Münchens, wo es sich im rauchenden Verkehr zurechtzufinden sucht. Ein Wilder in der Zivilisation?


In einem anderen Video, »Transmission Wood«, wandert eine Gestalt – bei allen filmischen Figuren ist es immer die Künstlerin selbst – durch das nächtliche Paris. Ihre Mission ist es, mit den letzten Zeugen der »Wildnis« in der Stadt, den Bäumen, Kontakt aufzunehmen. Dazu hat sie sich ein antennenartiges Gebilde aus Ästen umgeschnallt, mit dem sie die wenigen pflanzlichen Relikte am Straßenrand aufspürt und kontaktiert. In »Transmission Waves« wiederum sitzt die Künstlerin in den Wellen und spürt mit langen Angeln, die tentakelartig aus ihrem Kopf wachsen und an denen Mikrofone hängen, den Tönen des Meeres nach.
Der Lauschangriff auf die Stimmen der »Wildnis« – das Knistern der Bäume und das Rauschen der Wellen – werden in die Passage übertragen und mischen sich mit den Tönen der Zivilisation: dem dumpfen Verkehrslärm, der von der Kreuzung in die Unterführung dringt. Für die Botschaft, die sie mit den ziemlich schräg anmutenden performativen Aktionen transportieren möchte, greift Judith Egger (*1973) wissenschaftliche und philosophische Überlegungen zum Verhältnis von Natur und Kultur, von »Wildnis und Zivilisation« auf. Schon lange beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Ergründen unerforschter naturhafter Phänomene. Aus einer Familie von Wissenschaftlern stammend liegt ihr das Prozesshafte und Experimentelle wie auch das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kunst.
So befasste sie sich für ihr aktuelles Projekt mit den Theorien des Philosophen Andreas Weber, bei dem sie »die ideelle Trennung von Mensch und Umwelt, Kultur und Natur als Keim einer tiefgreifenden Entfremdung« formuliert findet. Webers Essay »Indigenialität« wurde im Rahmen der Ausstellung präsentiert und diskutiert. »Indigenialiät heißt, sich als aktiven Teil eines sinnvollen Ganzen zu verstehen und so zu handeln, dass die eigene Lebensqualität die des Ganzen steigert«, so Weber. Haben wir uns nicht schon längst von der Natur entfremdet? Wie viel Wildes ist in uns noch vorhanden? Ist uns bewusst, welche Anteile des Instinkthaften, Unergründlichen durch die Zivilisierung in uns verloren gegangen ist? Wie finden wir zu einer lebendigen, gesamtheitlichen Wahrnehmung des Existentiellen zurück? Mit ihrem Projekt »Lauschen & Lauern« schickt Judith Egger sich und die Ausstellungsbesucher auf die Pirsch. ||

 

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